Biowein zeichnet sich besonders durch den natürlichen Anbau aus

In den 1960er-Jahren beginnen erste Winzer, ihren Betrachtungswinkel beim Weinanbau zu ändern. Sie konzentrieren sich auf die natürliche Stärke von Rebsorten. Mit gezielten Neuzüchtungen und Kreuzungen soll eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge erreicht werden. Die Verfechter des Anbaus von Biowein setzen auf Nützlinge und Pflanzenstärkungsmittel.

In der jungen Disziplin des Weinanbaus nach ökologischen Prinzipien werden die Pflanzen für Bio-Wein in eine biologische Artenvielfalt eingebettet, die die verbreitete Monokultur ablöst. Alle Regeln und Aktivitäten folgen der Idee, künstliche oder chemische Hilfsmittel geringstmöglich einzusetzen – bei der Rebenpflanzung, Weiterverarbeitung und Abfüllung. Flankierend werden soziale Standards für Verkauf und Vertrieb, wie angemessene Löhne und kurze Transportwege, umgesetzt.

Der Weg bestimmt das Ziel

Biowein ist ein Naturprodukt, das sich von herkömmlichem Wein vor allem durch die Pflanzungsart und die Bodenbearbeitung unterscheidet. Bei einem Bio-Weintraubentest sind Unterschiede von beispielsweise konventionell und ökologisch aufgezogenem Chardonnay kaum auszumachen. Auf dem Wachstumsweg von Biowein werden aber keine Pestizide, unorganische oder leicht lösliche Dünger und keine chemisch-synthetischen Substanzen eingesetzt.

Die Gesundheit der Reben resultiert aus der zusätzlichen Anpflanzung von Gewächsen, die Schädlinge fern halten. Für die Stärkung und Düngung kommen Kräuterauszüge, Mineralien wie Ton und Algen oder Molkeprodukte zum Einsatz. Beim Keltern und der Gärung wird die unverzichtbare Schwefelung auf ein Minimum reduziert.

Die arbeitsintensive Hege und Pflege bei der Produktion von Bio-Wein hat sich in allen bedeutenden Weinanbaugebieten weltweit etabliert. Es gibt nahezu alle Rebsorten und Lagen – in Deutschland werden von rund hunderttausend Hektar Gesamtanbaufläche rund fünf Prozent ökologisch bewirtschaftet. Europaweit spricht die EU-Kommission von rund zwei Prozent.

Beim Erzeuger von Bio-Wein zu Gast

Die ökologische Weinkultur bringt eine Produktvielfalt hervor, die jedem Geschmack und jeder Vorliebe den passenden “Tropfen” beschert. Biowein aus Chardonnay wird entsprechend der großen Beliebtheit auf dem Markt in großer Auswahl angeboten. Da die Weinliebhaber von Bio-Wein oft ökologisch besonders interessiert sind, verkosten sie gerne direkt auf einem Bioweinbauernhof und besichtigen das Weingut.

Viele Winzer kombinieren ihre Anbautätigkeit mit dem Anbieten von Unterkunft und Verpflegung auf ihrem Gut. Bei einer Bio-Weinschorle und Bioweinkost lernt der Weinfreund vor Ort viel über den Weinanbau allgemein und der Ökologie im Speziellen kennen. In der Qualität und dem Geschmack hält Bio-Wein auch in internationalen Wettbewerben mit.

Bio ist nicht billig, aber preiswert

Die Gattung Bio-Wein ist im Niedrigpreissegment nicht zu finden, da der Aufwand der Erzeugung groß ist. Ansonsten entsprechen Qualität, Geschmack und Preis den herkömmlichen Weinen und variieren im Ergebnis in gleicher Art. Die Flaschenpreise beginnen bei fünf Euro und erhöhen sich anhand der gleichen Kriterien Jahrgang, Anbaugebiet und Rebsorte wie bei allen Weinen.

Leichte Preisaufschläge gibt es häufig bei Bio-Wein mit dem Biosiegel der Europäischen Union und der Zusatzbezeichnung “Ökologischer Wein”. Der Kauf direkt beim Erzeuger ist verbreitet, beliebt und ein Teil der Idee, auch mit kurzen Vertriebswegen den geringstmöglichen ökologischen Aufwand zu betreiben. Das ist auch der Grund dafür, dass Biowein im Supermarkt um die Ecke meist nur in kleiner Auswahl zur Verfügung steht. Ob Biowein purer Genuss sein kann, wenn er aus Chile stammt und um die halbe Welt gereist ist, um in Europa getrunken zu werden, muss jeder Weinfreund selbst entscheiden.

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