Das Besondere am Chardonnay-Geschmack – Seine Vielfältigkeit

Wollte ein Weingenießer nur die gröbsten Geschmacksrichtungen des Chardonnay kennen lernen, würde seine Lebenszeit nicht ausreichen. Der Chardonnay-Geschmack tritt in unendlich vielen Nuancen auf, da die Traube schon aus sich selbst heraus eine große Bandbreite an Herkunftsgepräge und innerem Aroma abbildet.

Ihre Genügsamkeit erstreckt sich neben dem Anspruch an Böden und Klima auch auf die vielfältigen Arten, mit denen Winzer Kellertechniken und Veredelungen anwenden können. Die Basis für den Chardonnay-Geschmack ist der ausgeprägte Weinkörper, der vollmundig bis saftig wahrgenommen wird. Der Gaumen erfühlt eine flüssige Streichbewegung, die Zeit und Muße gibt, auch feinste Nuancen heraus zu schmecken. Dabei unternimmt der Chardonnay-Geschmack manchmal eine Gratwanderung am Rande der Wässrigkeit, die durch zu frühe Ernte entstehen kann.

Die inneren Werte des Geschmacks

Der ausgeprägte Körper transportiert unaufgeregt und elegant dezente Obstaromen, die allerdings manchmal eher dem Bukett als dem tatsächlichen Wein geschuldet sind. Frischer Apfel, reife Stachelbeere, Melone, Banane oder andere exotische Früchte geben sich zu erkennen. Die frische Fruchtigkeit wird von einem nussigen oder rauchigen Ambiente überlagert, ohne zuzudecken. Unterstützt wird die Wahrnehmung von runder Völle durch einen hohen Alkoholgehalt von durchschnittlich über zwölf Prozent.

Die feine Art der Ausprägung des Chardonnay-Geschmacks erzählt auch immer von der Herkunft. Je kalkhaltiger der Anbauboden der Rebe ist, desto dominanter wird der Körper empfunden, der im Blanc de Blancs zu höchster Eleganz führt. Der Chardonnay ist trocken, ohne den Gaumen auszutrocknen. Mit der Alterung treten die Früchte weiter in den Hintergrund und der Chardonnay-Geschmack definiert sich stärker über den Alkohol und die rauchig-nussige Komponente, die nach Jahren bis ins Ölige reichen können.

Kraft und Fülle durch das Fass

Beliebt ist die Veredelung des Chardonnay in Eichenfässern, die der natürlichen Geschmacksbasis die Barriquekomponente hinzufügt. Im reinen Reifungsprozess ohne Nachgärung nimmt der Chardonnay-Geschmack Holzaromen auf. Über die Geschmacksbildung entscheidet beim Barrique die Herkunft der Eiche. Während mitteleuropäische Hölzer auf den Ursprungsgeschmack aufsatteln, können amerikanische und südeuropäische Eichen dominieren.

Chardonnay als eine, von Natur aus kräftige Traube kann eine enorme Ergänzung ertragen, ohne seiner geschmacklichen Feinheiten beraubt zu werden. Im Barrique-Verfahren wird oft Vanillin zugegeben, das die mitunter ausgeprägte und streng wirkende Holznote in ein schmeichelndes Aroma überführt. Grundsätzlich gewinnt der Chardonnay-Geschmack im Fass an Fülle und kann zu einem sehr komplexen und kraftvollen Bild führen.

Als Herausforderung insbesondere an die geschmacklich komplexe Struktur versteht sich der Chardonnay Cardellino. Geboren in Südtirol ist er mittlerweile dank Rebklonen auch in Frankreich zu Hause. Teile seines Mosts werden in Fässern vergoren und dem Holz so weniger Einfluss gegeben, was zu einer samtenen Weichheit führt, die dem klassischen Barrique nicht immer gegeben ist.

Robust und doch empfindlich

Der Chardonnay-Geschmack überzeugt weltweit auch, weil die Reben fast überall in der Lage sind, selbst auf einfachen Böden ihre Charakteristik zu entfalten. Was der Chardonnay nicht verzeiht, ist der falsche Zeitpunkt der Lese. Zu früh geerntet verflüssigt sich die Körperlichkeit und führt schnell zu einem “dünnen” Gaumenerlebnis. Wartet der Winzer zu lange, verliert sich zu viel der sowieso nicht üppigen Säure und das Geschmacksgerüst wird in Mitleidenschaft gezogen.

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