Die Chardonnay-Familie wächst: der Rosa Chardonnay ist da!

Es gibt gute Nachricht für alle Freunde des Chardonnays: Im Frühjahr 2020 wurde in Deutschland eine neue Spielart unserer Lieblingsrebsorte für den landesweiten Anbau zugelassen – der Rosa Chardonnay. Zuvor war die rosa Traube vorwiegend in Frankreich sowie im oberitalienischen Venetien bekannt. So wird der Ursprung der leicht rötlichen Rebsorte auch in Frankreich vermutet, wo sie vor allem im Burgund und der Champagne vorkommt und als Chardonnay Rosé bekannt ist – diese Bezeichnung ist in Deutschland jedoch Roséwein vorbehalten, weshalb hierzulande der Name „Rosa Chardonnay“ weinrechtlich gültig ist.

Kurze Geschichte des Rosa Chardonnays in Deutschland

Hierzulande schlug die offizielle Geburtsstunde der rosafarbenen Chardonnay-Traube in Heppenheim, als das Unternehmen ANTES Weinbau & Rebenveredlung GbR im Jahr 2010 am Erlebnispfad Wein und Stein den landesweit ersten Vermehrungsweinberg für den Rosa Chardonnay anlegte. Von dort aus fand die Traube schnell ihren Weg in weitere Versuchsanlagen, wie zum Beispiel in die renommierte Forschungsanstalt Geisenheim aus dem hessischen Rheingau. Auch diese wirkte als Rosa-Chardonnay-Züchter und beantragte 2014 den Sortenschutz für die Traube. Sechs Jahre später wurde die Rebsorte nun endlich vom Bundessortenamt saatgutrechtlich zugelassen. Dies bedeutet, dass für den Anbau in Deutschland:

  • kein Versuchsantrag mehr notwendig ist,
  • die Anbaufläche nun unbegrenzt groß sein darf
  • sowie dass alle Auflagen, die mit der Versuchsgenehmigung verbunden sind, entfallen.

Aktuell beschränkt sich in Deutschland das Anbaugebiet der noch selten vorzufindenden Chardonnay-Gattung größtenteils auf die Pfalz, wo die Rebsorte rund sechs Hektar Anbaufläche einnimmt (Stand Frühjahr 2020). Dank der kürzlich erteilten Zulassung und der bisher gemachten, positiven Erfahrungen, dürfte die Traube jedoch schnell neue Weinanbaugebiete erobern – und damit wohl auch den ein oder anderen Platz in unseren Weinregalen.

Was unterscheidet Rosa Chardonnay vom klassischen Chardonnay?

Wie der Name schon anklingen lässt, ist Rosa Chardonnay eine leicht rötliche Traube. Ob es sich dabei um eine farbliche Mutation der weißen Chardonnay-Traube handelt oder die weiße Variante dem rosa Chardonnay entsprungen ist, ist ungewiss, als Basissorte wird jedoch bei beiden Varianten eine natürliche Kreuzung zwischen Gouais Blanc und Pinot vermutet. In Form und Größe ähneln sich beide Spielarten sehr stark. Bezüglich seines Aromas erinnert der Rosa Chardonnay an exotische Früchte wie Grapefruit und Melonen und zeichnet sich im Vergleich zum klassischen Chardonnay durch einen noch körperreicheren und komplexeren Geschmack aus, weshalb sich die Traube auch ausgezeichnet für die Produktion von Schaumweinen eignet – so wird der Rosa Chardonnay in Frankreich etwa für die Herstellung von Champagner genutzt.

Auch wurden in Frankreich auf Antrag des Weinbauverbandes der Champagne vom französischen INAO (Nationales Institut für Herkunft und Qualität) Tauglichkeitsprüfungen und Experimente am Rosa Chardonnay durchgeführt – mit vielversprechenden Ergebnissen – sodass die Rebsorte 2018 schließlich in den Katalog der französischen Rebsorten aufgenommen wurde. Da die Traube widerstandsfähiger, weniger anfällig für Fäulnis und resistenter gegen Schädlinge ist, kann Rosa Chardonnay ein bis zwei Wochen später geerntet werden und bekommt aufgrund dieser Eigenschaften großes Potenzial zugeschrieben, den Auswirkungen des Klimawandels gut standhalten zu können. Der Rosa Chardonnay bringt somit beste Voraussetzungen mit, in Zukunft regelmäßig unsere Gläser zu füllen – ein Prosit auf den rosa Neuzugang!

PS: Für alle, die sich nun in Gedanken schon genüsslich das erste Glas Rosa Chardonnay einschenken, haben wir noch eine gute Nachricht: Man kann jetzt schon Rosa Chardonnay kaufen, der in den vergangenen Jahren produziert wurde – wenden Sie sich einfach an Ihren lokalen Weinhändler des Vertrauens.