So gelingt die perfekte Weinschorle

Während sie in Österreich den Status eines nationalen Kulturguts einnimmt, das in den heißen Sommermonaten aus keinem Schanigarten wegzudenken ist, wittert der Franzose kulinarischen Hochverrat und rümpft entsetzt die Nase – eines ist somit klar: die Weinschorle polarisiert. Das bekam angeblich schon Johann Wolfgang von Goethe zu spüren, als er einst im Dasenauer Gasthaus an der Lahn saß und aufgrund seiner Weißweinschorle für Gelächter am Nebentisch sorgte. Beirren ließ er sich davon aber dennoch nicht und so schlug er mit einem Gedicht zurück:

„Wasser allein macht stumm,
das zeigen im Bach die Fische.
Wein allein macht dumm,
siehe die Herren am Tische.
Da ich keins von beiden will sein,
trink ich Wasser mit Wein“

Ob es sich hierbei um eine wahre Begebenheit oder eine marketingtechnische Wirtshauslegende handelt, sei mal dahingestellt – und so ganz stimmen wir Goethe natürlich nicht zu, aber Skeptiker tun dem prickelnden Gemenge tatsächlich oft Unrecht. Denn eine gute Schorle ist mehr als bloße Weinpanscherei und an so manch sonnig-heißem Tag verleiht ein bisschen Wasser dem gegorenen Traubensaft einfach den nötigen Schuss Erfrischung. Doch auch Wein und Wasser mischen will gelernt sein. Bevor wir nun aber klären, worauf es bei der perfekten Weinschorle ankommt, widmen wir uns zunächst kurz ihrer Historie:

Woher kommt die Weinschorle?

Wo die Weinschorle ihren Ursprung fand ist heute nicht mehr genau nachzuvollziehen. Getrunken wurde sie jedoch schon von den alten Römern. Es galt damals sogar als höchst unkultiviert und barbarisch, puren Wein zu trinken – allerdings war der antike Wein nicht mit den heutigen Standards vergleichbar und verfügte über eine ölige Konsistenz, einen weitaus höheren Alkoholgehalt und wurde zudem eingedickt gelagert, weswegen er pur wohl nur mäßig genießbar war.

Ebenso war Weinschorle im Mittelalter ein beliebtes Getränk, zumindest für jene, die es sich leisten konnten und nicht wie die arme Bevölkerungsschicht auf Dünnbier zurückgreifen wollten. Angesichts der schlechten Trinkwasserqualität sowie der antibakteriellen Wirkung von Alkohol war das Trinken von Weinschorle zu dieser Zeit sogar eine Art Überlebensstrategie.

Der Name der Schorle leitet sich laut dem Duden-Herkunftswörterbuch vom Begriff „Schurlemurle“ ab, der bis zurück ins Niederbayern des 18. Jahrhunderts schriftlich belegt ist und ein Mischgetränk aus Wasser und Wein bezeichnete. Dessen etymologischer Ursprung ist allerdings weniger eindeutig geklärt. So könnte sich der Begriff vom südwestdeutschen Dialektwort „schuren“ ableiten, das so viel wie „sprudeln“ bedeutet, ebenso wie vom persisch-türkischen „schurmur“, das in mehreren europäischen Sprachen als Synonym für „Durcheinander“ galt.

Mit welchem Wein gelingt die perfekte Weinschorle?

Nur guter Wein macht gute Schorle @ kasjanf/pixabay.com
Nur guter Wein macht gute Schorle @ kasjanf/pixabay.com

Ein weitverbreiteter Irrglaube besteht in der Annahme, es wäre belanglos, welcher Wein für das Mischen einer Schorle verwendet wird, da der Wein durch die Beimengung des Wassers ohnehin seinen Geschmack verlöre. Ist der Wein bereits ausgeraucht oder trägt er eine Kork- beziehungsweise Essignote im Geschmack, wird dies auch das Zugeben von Wasser nicht ausbalancieren. Denn auch eine Weinschorle ist nur so gut wie der Wein, aus dem man sie mischt. Ein wirklich edler Tropfen wäre natürlich Verschwendung, das steht außer Frage, ist aber zum Glück gar nicht nötig.

Für die klassische Weißweinschorle eignen sich insbesondere leichte, frische Weine, mit einem eher mäßigen Alkoholgehalt. Ganz klassisch wird die Schorle vielerorts mit Riesling gemischt – dieser verfügt über ein gutes Maß an frischer Fruchtsäure und erinnert aromatisch an Äpfel, Pfirsich und Grapefruit. Ebenso gut eignen sich jedoch Chardonnay, Müller-Thurgau, Weiß- und Grauburgunder sowie Silvaner. In Österreich sind es traditionell Grüner Veltliner, Welschriesling und der Wiener Gemischte Satz, die ihren Weg in den „Spritzer“ oder „G’spritzten“ finden. Wünscht man es etwas bouquetbetonter, greift man dort auch gerne zu Schilcher, Sauvignon Blanc und Muskateller.

Auch rot und rosé darf die Weinschorle sein

Ein Tipp für alle, die gerne etwas Neues ausprobieren: In manchen Regionen Europas sind auch Schorlen mit Rot- und Roséwein beliebte Weinmischgetränke im Sommer. Für die Rotweinschorle eignen sich vor allem Weine mit wenig Gerbstoffen beziehungsweise Tanninen, da diese nicht sonderlicher gut mit Kohlensäure harmonieren. Zu empfehlen sind daher beispielsweise Spätburgunder, Portugieser und Schwarzriesling.

Die Weinschorle rosé besticht vor allem durch ihre herrlich anzusehende, sanft-rosa Farbe sowie ihr ausdrucksvolles, an Beeren erinnerndes Aroma. Besonders gut machen sich in der Roséschorle fruchtige Weine, wie etwa ein Spätburgunder Rosé.

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Rosé-Schorle. ???

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Nicht jedes Wasser eignet sich für die Schorle

Auch der Griff zum falschen Wasser kann die Weinschorle vermiesen. Prinzipiell eignet sich sowohl Soda als auch Mineralwasser, jedoch sollte darauf geachtet werden, kein allzu mineralhaltiges Wasser zu verwenden, da der Geschmack der Mineralien die Aromen des Weines überdecken kann. Hat man die Wahl, sollte man sich daher für Soda entscheiden.

Auch der Gehalt an Kohlensäure spielt eine Rolle, denn diese verstärkt die Säure des Weines. So eignet sich vor allem Wasser mit mittlerem Kohlensäuregehalt. Wer es dennoch stärker prickelnd mag, kann auf fruchtige Weine mit niedrigerem Säuregehalt zurückgreifen, wie etwa auf Chardonnay, Grauburgunder oder Silvaner.

Welche Temperatur hat eine gute Weinschorle?

Was die Temperatur anbelangt, ist zu beachten, dass sowohl Wein als auch Wasser vor dem Mixen auf etwa sechs bis höchstens acht Grad Celsius gekühlt werden sollten. Eiswürfel sollten in der Weinschorle nur eine Notlösung sein, da diese beim Schmelzen zusätzliches – und zudem nicht-kohlensäurehaltiges – Wasser abgeben. Wer dennoch nicht auf die Eisbrocken im Glas verzichten will, sollte einen Extraschuss Wein hinzugeben, um die Wein-Wasser-Balance zu halten. Tipp: Gefrorene Weintrauben verwässern den Wein nicht und peppen das Getränk zugleich optisch auf.

Was ist das richtige Wein-Wasser-Mischverhältnis?

Das Mischverhältnis ist der dritte Schlüsselfaktor für einen einwandfreien Schorlegenuss. Allerdings gibt es auch hier nicht die eine richtige Antwort – klassischerweise wird die Schorle in einem Mischverhältnis von je einem Teil Wein und Wasser gemischt. Diese Variante ist in ziemlich jedem Landstrich bekannt, an dem die Schorle geehrt wird. Allerdings gibt es auch hier je nach Land, Region sowie der aktuellen Außentemperatur unterschiedliche Präferenzen und Bräuche.

In der Pfalz mischt man „den Schorle“– ja Schorle ist dort grammatikalisch männlich – eher stark. Die goldene Regel des Pfälzers lautet: mindestens 51% Wein muss der Schorle enthalten, mit Tendenz nach oben, damit der Geschmack des Weines trotz der Beimischung von Wasser noch spürbar erhalten bleibt.

In Österreich wird der klassische Spritzer (auch Spritzwein, G’spritzter oder Sprühwein genannt) meist etwas leichter als in der Pfalz zubereitet. Aber auch hier gilt das Mischverhältnis von 1:1 als Norm – der Mindestanteil von 50 % Wein ist hier sogar gesetzlich verankert, ebenso wie der Mindestalkoholgehalt von 4,5 %. Weniger streng genommen wird dies jedoch in den heißen Sommermonaten. Denn in diesen ist es auch Brauch, zur leichteren Variante des Sommerspritzers zu greifen, bei dem der Weinanteil bei nur etwa einem Viertel bis maximal einem Drittel liegt.

Kommt bei der Weinschorle erst Wasser oder Wein ins Glas?

Diese Frage klingt zwar banal, dennoch scheiden sich an ihr die Geister der Schorleschlürfer. Während manche dem Wortlaut folgen und zunächst den Wein einschenken und dann durch die Zugabe des Wassers Schorle daraus machen, bevorzugen es andere lieber andersrum, da der Wein, wenn als zweiter Teil eingeschenkt, bei vollem Glas intensiver wahrgenommen wird.

Aus welchen Gläsern trinkt man Weinschorle?

In der Pfalz wird Schorle traditionellerweise im Schoppenglas sowie im durch 18 runde Vertiefungen gekennzeichneten Dubbeglas serviert. Beide Weinschorle-Gläser fassen einen „Schoppen“ – ein Hohlmaß, das in etwa einem halben Liter entspricht. Vorsicht: Wer den Wunsch nach einem kleineren Glas beziehungsweise einer kleinen Schorle äußert, wird umgehend als Tourist identifiziert.

In Österreich greift man üblicherweise zu etwas kleineren Gläsern, wie beispielsweise einem 0,25 Liter fassenden Spritzerglas mit Henkel, wie es etwa in den sogenannten „Heurigen“ der Brauch ist – den lokalen Weinstuben, in denen der örtliche Wein serviert wird. Die etwas dickere Glaswand sorgt dafür, dass der Inhalt länger kühl und frisch bleibt. Ebenso typisch sind gestielte Spritzergläser mit 0,33 Liter Fassungsvermögen, die optisch einem Weißweinglas ähneln, jedoch etwas kleiner sind und fast bis an den Rand gefüllt werden.

Wer es gerne etwas stilvoller hat, kann natürlich auch klassische Weingläser benutzen – so reiht sich die Schorle auch bei einer Festtagstafel elegant zwischen Rot- und Weißwein. Ein absolutes No-Go ist es hingegen, Weinschorle mit einem Strohhalm zu trinken, dieser sollte voll und ganz der Fruchtschorle vorenthalten bleiben – und selbst hier lässt sich darüber streiten.

Fazit – So geht Weinschorle

Wie man sieht, ist die Weinschorle-Zubereitung keine Hexerei. Entscheidend für die Qualität und das Genusspotential der Schorle ist insbesondere die Wahl des richtigen Weines, der Griff zum passenden Wasser sowie eine erfrischend-kühle Trinktemperatur. Beachtet man diese drei Faktoren, muss man nur noch herausfinden, welches Mischverhältnis man persönlich bevorzugt – also los, liebe Chardonnay-Gemeinde, kühlt den Wein und mischt euch die perfekte Weinschorle. Hier noch einmal im Überblick, ein klassisches Weinschorle-Rezept:

  • Wein: am besten leicht und frisch (Riesling, Chardonnay, Grüner Veltliner)
  • Wasser: mit mittlerem Kohlensäuregehalt und wenig Eigengeschmack
  • Mischverhältnis: mindestens 50 % Wein
  • Temperatur: 6 – 8 Grad Celsius
  • Glas: (k)eine Geschmackssache